Tattoo: Kunsthandwerk mit Geschichte

Seit ewigen Zeiten und in allen Teilen der Welt lassen sich Menschen tätowieren. In Europa erlebte diese Form des Körperkults durch die Seefahrer eine erste Blüte und sogar Könige ließen sich damit schmücken. Nachdem Tätowierte im 20. Jahrhundert einen eher zweifelhaften Ruf hatten, ist das Tattoo als Körperschmuck und Ausdruck der eigenen Individualität heute unübersehbar in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Tätowierungen zählen zu den ältesten kulturellen Techniken der Menschheit und gelten als logische Weiterentwicklung der Körperbemalung. In grönländischen Höhlenmalereien wurden bereits vor schätzungsweise 30.000 Jahren tätowierte Menschen porträtiert. Funde von mumifizierten Leichen aus verschiedensten Weltregionen belegen, dass Tattoos eine lange Geschichte haben. Der wohl berühmteste Zeuge ist die 5.300 Jahre alte Gletschermumie „Ötzi“. Forscher vermuten, dass manche der 61 steinzeitlichen Zeichen auf seiner Haut der Schmerztherapie – ähnlich einer Akupunktur – dienten. Die dafür eingesetzte Farbmischung, bestehend aus Rindergalle, Holzkohle und Wasser, kam zu diesem Zeitpunkt bereits in weiten Teilen der Welt zum Einsatz.

Unterschiedliche Methoden und „Tätowierer“

Jedes Volk entwickelte eigene Methoden für dauerhafte Körperzeichnungen. Die Inuit etwa zogen rußige Fäden durch die Haut. Anderswo wurde die Haut mit spitzen Steinen, Messern, Holzinstrumenten, Knochen, Haifischzähnen, Dornen oder Kaktusstacheln aufgeritzt, um anschließend Asche, Kohlenstaub oder Pflanzenfarbe einzureiben. Ein weltbekanntes Beispiel für rituelle Tattoos bei Naturvölkern sind die kunstvollen Körper- und Gesichtstätowierungen der Maori in Neuseeland. Diese Tätowierungen mussten sich die männlichen Stammesmitglieder jedoch erst verdienen – meist durch die Jagd eines Wildschweins. In Europa dienen heute die typischen Maori-Tätowierungen vielen als Inspiration. Auch bei den nordamerikanischen Ureinwohnern galt es als große Ehre, die Kunst des Tätowierens zu beherrschen. Neben der Eigentätowierung waren es früher je nach Kultur Priester, Mönche, Heiler, angesehene Meister, Künstler oder talentierte Kollegen, die Symbole und Kunstwerke in der Haut verewigten.

Der Körperkult erobert Europa

In Europa spielten Tattoos nach einem päpstlichen Verbot im Mittelalter lange keine Rolle, bis Captain Cook 1774 einen tätowierten Tahitianer aus der Südsee mitbrachte und damit die erste „Tattoomania“ der Neuzeit auslöste. Viele Schaulustige begeisterten sich zu dieser Zeit für die kuriosen Körper aus fernen Ländern. Doch nicht alle Tätowierungen passierten auf freiwilliger Basis, denn bereits in vorchristlichen Zeiten wurden Legionäre, Verurteilte und auch Leibeigene anhand von Tätowierungen markiert.

Tattoos in allen Gesellschaftsschichten

Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich die ersten Berufstätowierer, in verschiedenen Metropolen entstanden bereits gewerbsmäßige Tattoo-Shops und in den USA wurden 1876 die ersten elektrischen Tätowiermaschinen patentiert. Christian Warlich setzte als Erster im deutschsprachigen Raum diese Art von Maschine ein und gilt bis heute als Pionier in der Tattoo-Szene. Auch die Elite Europas entdeckte den Reiz des Tätowierens. Selbst Kaiser Franz Ferdinand ließ sich auf einer Staatsreise nach China einen grünen Drachen auf dem linken Arm verewigen. Die Originalrechnung über 50.000 Stiche ist noch immer in Wien erhalten. Am anderen Ende der gesellschaftlichen Hierarchie fanden sich vor allem auf der Haut von Seemännern, Soldaten, Hafen- und Wanderarbeitern, Schaustellern und zwielichtigen Randgruppen Tattoos.

Vom Stigma zum anerkannten Trend

Hierzulande kennzeichneten Tätowierungen im 20. Jahrhundert die Zugehörigkeit zu gewissen Milieus – und lösten bei der breiten Masse Skepsis bis Stigmatisierung aus. Im Nationalsozialismus wurde mit dem „Brachtschen Erlass“ das Zurschaustellen von Tätowierungen gänzlich verboten. Vielen blieb nichts anderes als die Flucht. Jene, die blieben, wurden in Konzentrationslager gebracht, da sie der zu diesem Zeitpunkt vorherrschenden Ideologie nicht entsprachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg dauerte es viele Jahre, bis tätowierte Menschen wieder ihren Platz in der Gesellschaft fanden. Erst um 1990 kam ein allgemeiner Trend zum Tattoo in Gang, quer durch fast alle Gesellschaftsschichten und verstärkt durch viele Prominente, die ihre kleinen, feinen bis spektakulären Tattoos öffentlich und auch am roten Teppich zeigten.

Generation Tattoo

Heute hat jeder vierte Erwachsene in Österreich zumindest ein Tattoo, in der jüngeren Generation sind es noch wesentlich mehr und inzwischen fast ebenso viele Frauen wie Männer.[1] Mit dem auch in der Mode und Werbung unübersehbaren Trend zur Körperkunst ging in den letzten Jahren ein positiver Imagewandel einher: Die Akzeptanz von Tattoos hat auch in der nicht tätowierten Bevölkerung deutlich zugenommen. Im Lauf der Geschichte und im Vergleich der Kulturen haben sich die Motive, Techniken und Bedeutungen von Tattoos auf vielfältigste Weise entwickelt, doch heute wie damals gilt: Die Menschen wollen ihrer Identität Ausdruck verleihen – und legen dabei Wert auf das künstlerische und handwerkliche Können von erfahrenen TätowiererInnen.

Tätowieren: Handwerk, das unter die Haut geht

Die Kundinnen und Kunden müssen heute keine Experimente mehr wagen, sondern können auf die Expertise in den heimischen Tattoo-Studios vertrauen. Bei der Auswahl des passenden Tätowierers ist anzuraten, sich vorab auf der Website zu informieren und einige Arbeiten anzusehen. Ist man auf den ersten Blick vom Stil und Können überzeugt, folgt ein individuelles Beratungsgespräch. Alle oö. Fachinstitute garantieren erstklassige Arbeit und höchste Hygienestandards nach den besonders strengen österreichischen Gesetzen. Ein Siegel in Form einer kreisrunden Plakette mit der Aufschrift „Qualität mit Auszeichnung“, „Fachinstitut“ sowie der Nennung des jeweiligen Bereichs gibt Aufschluss darüber, ob sich ein Institut diesen hohen Qualitätsstandards verpflichtet hat und diese kompromisslos einhält. Zudem müssen geprüfte Tattoo-Studios Jahr für Jahr einen verpflichtenden Unbedenklichkeitsnachweis aller verwendeten Farben, Geräte und Prozesse erbringen. In seriösen Studios hängt dieser meist im Eingangsbereich aus. Welcher kreative Profi das permanente Körperkunstwerk nach den eigenen Wünschen gestalten soll, ist somit nur noch eine Frage des persönlichen Stils.

Für alle weiteren Fragen oder eine individuelle Beratung stehen Ihnen die Experten und Expertinnen der oö. Fachinstitute jederzeit gerne zur Verfügung.

Sie haben noch Anregungen? Die Blogredaktion der Innung der Fußpfleger, Kosmetiker und Masseure der WKOÖ freut sich über jede Rückmeldung unter: fkm@wkooe.at


[1] IMAS International Report (2020): Tätowierungen in Österreich. Der Megatrend der Individualisierung, der unter die Haut geht.


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